Dieser Tag…..

Habe eben den Film „Once“ gesehen. Und der hat mich dazu angehalten, mal wieder was online zu stellen. Eine kleine Kurzgeschichte.

Dieser Tag…..

Dann trafen wir uns wieder. 14 Jahre waren vergangen.

Sie war fantastisch, wenn ich in ihre Augen sah, sah ich eine alte Seele voller Würde und Güte. Wenn ich in meine Augen sah, sah ich nichts außer kindlicher Dummheit. Ich konnte es nicht glauben Mariel, das Mädchen aus der Nachbarklasse, unbeschreiblich schön, fragte mich nach Videospielen. Natürlich hatte ich Zeit mit ihr zu zocken. Sie saß neben mir auf dem Fußboden und zerstörte einen nach dem anderen Luftballon bei Mario Kart. Sie war besser als ich. In einem Spiel, das ich fast rund um die Uhr spielte. Sie war nicht arrogant, sie wirkte nur so. Ihre braunen langen Haare umspielten ihr Gesicht. Ich war verliebt.

Ich fragte mich oft warum ich!? Sie hätte alle haben können, alle lagen ihr zu Füssen. Doch sie wählte mich. Als würde sich das Meer teilen und plötzlich nur noch sie und ich, dass Rauschen der Wellen war, nicht mehr zu hören. Alles still nur mein dummer Gesichtsausdruck und ihr zartes Lächeln. Ich fragte sie nie warum ich? Ich wollte keine Antwort. Nur mit ihr zusammen sein. Die erste Liebe sei immer magisch sagt man. Eine Floskel? Kann sein, aber bei mir, stimmte es. Mariel lachte über meine Witze, sie beschütze mich vor Hohn und Spott anderer Leute. Denn Mariel wollte keiner verstimmen.

Wir hatten Sex. Das erste Mal in meinem Schlafzimmer, alle waren bei meinen Großeltern ich täuschte eine Grippe vor. Das Haus war mein. Ich kann mich noch genau erinnern, es klingelte um 19:30 Uhr an der Tür. Ihre ausgelatschten Doc Martens, ihr dicker Pulli, die dreckige Jeans mit Löchern. Und ihr Strahlen im Gesicht. Zwei Pizzen im Ofen und wie cool Bier auf dem Tisch, doch es Interessierte sie nicht. Sie küsste mich stürmisch. Mariel verschlang mich. Die erste wirkliche Leidenschaft, die ich fühlen durfte. Es ging schnell viel zu schnell. Dann lag sie neben mir. Geborgenheit nennt man dieses Gefühl, ich spürte sie. Zurück im Mutterleib, ohne Sorgen. Ich sagte zu ihr “Du bist wunderschön.” Und sie antwortete: “Ich kann nichts dafür, ich bin einfach so gezeichnet worden.” Ich lachte meine kleine Jessica Rabbit.

Eines Tages kam sie traurig zu mir, sie müsse umziehen. Einfach weg von hier. Ihre Mutter hatte sich von ihrem Vater getrennt. Wie ich später erfuhr, eine gute Entscheidung. Der Vater trank, er soll Mariel und ihre Mutter geschlagen haben. Doch für mich die schlechteste Entscheidung überhaupt. Ich heulte wochenlang, konnte nicht ohne sie. Meine Brüder lachten mich aus und spotteten über mich. Weichei, Heulsuse waren ihre nettesten Wörter. 3 Jahre trug ich noch ihr Foto in meiner Geldbörse. Bis ich begann, nach anderen Mädchen überhaupt zu schauen.

Die Zeit mit Mariel stand immer auf einem Podest. Nichts konnte sie vertreiben. Dann kam Lia. Sie war nicht wie Mariel. Und ich würde eher sagen, sie wollte mich mehr als ich sie. Wir waren nur Freunde an der Uni. Doch für sie, waren wir keine Freunde, sondern ein Pärchen. Bis ich das begriff. War Lia schwanger. Eine kleine zarte Tochter erblickte das Licht der Welt. Ich liebte sie sofort bis über beide Ohren. Zwei weitere Kinder sollten folgen. Luis und Jonathan. Der Kleinste der beiden saß auf meinem Schoß, als ich die Benachrichtigung bekam. Mariel Mayer möchte mit dir bei Facebook befreundet sein. Der kleine Jonathan rutschte mir fast vom Schoss. Ich war wie gelähmt. Alles prasselte auf mich ein. Emotionen der Art die eine Welt verändern können. Ich rief meine Frau, mir Jonathan abzunehmen. Dann bestätigte ich die Freundschaft. Und schaute mir ihr Leben auf Facebook an. Sie war nie verheiratet gewesen, keine Kinder. Und ihr Status war Single. Meiner verheiratet seit 6 Jahren. Mariel war Promoterin geworden, und wie ihre Fotos sagten, ganz schön weit herum gekommen. Paris, Bali, New York, Bangkok sie schien alles gesehen zu haben. Ich dagegen nur das Büro meines Vaters und die Rhön.

Sie sei wieder in Hamburg schrieb sie mir. Und wollte einfach mal schauen, welche Freunde von früher hier noch in der Umgebung wohnten. Der Erste nachdem sie gesucht hatte, war ich. Und da war ich. Wir chatteten stundenlang bis meine Frau mich Böse ansah. Und wir ein Treffen vereinbarten.

Als ich das Lokal betrat, war ich aufgeregter als jemals zuvor. Ihre Fotos sagten mir schon das sie nicht älter geworden war. Ihr aussehen war Perfekt. Meins hatte sich schon geändert Wohlstands Pfunde lagen ein bisschen über meinem Gürtel. Mariel war schon da. Konnte ich mich dazu setzten? Meine Gedanken kreisten nur darum meine Frau sofort, zu betrügen. Alles zu vergessen neu anzufangen, egal wo. Wir aßen Pizza und tranken reichlich Wein. Sie sagte zu mir, dass sie immer wußte das ich ein Familientyp bin. Eigentlich redete nur sie. Ich hörte zu und genoss es ungemein. Diese zarte Stimme, eher ein Stimmchen. Über ihr Leben, was alles passiert war. Und nun heute hier. Am Ende des Abends fragte sie mich: “Liebst du deine Frau?”

Wann liebt man einen Menschen? Magie ist es nur so lange Magie, bis man den Trick durchschaut, oder? Ich habe diese Magie, aber nie durchschaut. Es kam mir vor als wären es Sekunden gewesen seit unserem ersten Mal und keine Jahre. Ich überlegte zu lange, viel zu lange. Bis ich ihr antworten konnte, lief alles nach ihr in meinem Kopf ab. Ein schöner Film voller Freude, Spass und Zärtlichkeit. Er hätte alle Oscars verdient gehabt.

Ich antwortete ihr:”Ja, das tue ich.” Ihre Schwangerschaftsstreifen, ihren nicht Perfekten Körper, die Augenringe am Morgen. Den Geruch ihres Essens, ihre Liebe und Hingabe. Und alles was wir zusammen aufgebaut haben. Mariel liebte ich immer noch, hätte sie mich das gefragt: “Liebst du mich noch?” Wäre der Abend anders verlaufen.

Ende

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